Weihnachten im Sommer

Weihnachten in Australien ist eine komische Sache: Es ist 30 bis 50 Grad zu warm und viel zu hell. Glühwein gibt es verständlicherweise nirgendwo. Für einen Europäer ist es wohl schwierig, dabei in Weihnachtsstimmung zu kommen. Bei mir hat es jedenfalls nicht geklappt.

Auch wenn dann die Weihnacht kommt, sind viele Dinge grundlegend verschieden. Der 24. Dezember hat hier keine besondere Bedeutung: Es gibt keine Geschenke. Was man tut, sind Abendessen mit Freunden oder man geht fein aus. In meinem Fall war ich bei Wein und Tapas den Geburtstag eines Freundes meiner Mitbewohnerin feiern. Im Freien, bei 30°C und 60% rel. Feuchte, wie ein süddeutscher Sommertag. Relativ früh ging es dann wieder nach Hause.

Die wirklich interessanten Dinge passieren am 25. Dezember. Ungewohnterweise um 7 Uhr morgens aufgestanden ging es um 8 Uhr direkt zu den Eltern meiner Mitbewohnerin, die mich lobenswerterweise eingeladen haben, den Tag bei Ihnen zu verbringen.

Das Haus der Eltern steht in North Beach und, wie der Name vermuten lässt, keine 10 Minuten vom Strand entfernt. Besser kann es eigentlich kaum noch kommen, aber es geht doch… Das Haus ist klimatisiert. Bei angekündigten 38° nicht verkehrt.

Angekommen habe ich mein Mitbringsel in den Kühlschrank gestellt (Kartoffelsalat) und es ging direkt zum Strand mit der ganzen Familie, Hund inklusive. Da Hunde an normalen Stränden nicht erlaubt sind, gibt es spezielle Hundestrände. Sogar das ist ein Erlebnis, ich bin noch nie mit so vielen Vierbeinern zusammen im Wasser geschwommen. Der Familienhund Sophie, ein Jack-Russel mit langem, lockigen Fell, war aber damit zufrieden, Stöcke und Bälle in Ufernähe zu jagen. Der Vater meiner Mitbewohnerin hatte Schnorchelausrüstung dabei und lud mich ein, ihn bei einer kleinen Tour durch das Mini-Reef vor dem Strand zu begleiten. Man muss sagen, auch wenn es nur ein kleines, aber immerhin unter Schutz stehendes Reef ist, war es beeindruckend, was 20 Meter vom Strand entfernt schon im Wasser los ist. Ein sehr schönes und unerwartetes Weihnachtserlebnis.

Zurück im Haus wurde geduscht und dann bei Bier “Jenga” gespielt, was mit der Zeit immer unterhaltsamer wurde… Parallel dazu liefen die Vorbereitungen für den Christmas Lunch und die Bescherung.

Die sehnsüchtig erwartete Bescherung rund um den stattlich mit Geschenken umlegten Weihnachtsbaum war wegen der 10 Anwesenden ein längerer Act und hinterließ viel Geschenkpapier…

Der Christmas Lunch fand anschließend gegen 13 Uhr draußen unter der Pergola statt und bestand aus vielen leckeren Dingen, die man sich Buffet-mäßig auf den Teller lud. Ob weihnachtlich oder nicht, selbstgemachtes wie Fisch und Cuscus und deutscher Kartoffelsalat und Kaviar-Eier und vieles mehr machen jeden glücklich. Dazu Bier aus dem bereitstehenden Esky.

Nach dem Lunch gab es einen taktischen Rückzug ins klimatisierte Haus. Die nächsten Stunden wurden mit Geschenke inspizieren, Ausruhen und Brownies mit Vanilleeis verbracht. Und nicht nur der Jüngste der Familie, der interessanterweise auch die meisten Geschenke bekam, hatte Nickerchenbedarf, auch ein paar der älteren Anwesenden waren dankbar über die Siesta nach dem Lunch.

Gegen 16 Uhr war ein erneuter Strandbesuch angesagt, ist ja nicht weit weg. Es war mittlerweile so warm, dass man weder im Wasser noch triefend nass aus dem Wasser kommend gefroren hat oder auch nur sagen hätte können, dass man komplett nass ist. Erfrischend war es trotzdem.

Nach der nächsten Duschrunde wurden erste Ermüdungserscheinungen beim Familienhund sichtbar, der nicht mehr die Mitte des Geschehens suchte, sondern abseits umherlag und vor sich hin döste. Die noch verbleibenden Gäste ließen den Abend mit Wein und Kirschen ausklingen. Bemerkenswert war dabei der Wetterumschwung nach Sonnenuntergang: erst komplette Windstille, dann Ostwind. Ostwind bedeutet, Luft aus dem heißen Landesinneren kommt an die Küste und heizt diese trotz Sonnenmangel wieder auf. Während wir also auf der Terasse saßen, wurde es immer wärmer und immer windiger, in der Nacht waren es Böhen bis zu 70 km/h bestehend aus “heißer Luft”.

Das war also mein erstes Weihnachten im Sommer. Auch wenn es meinem Gefühl nach “nichts” mit Weihnachten zu tun hat, war es eigentlich richtig toll.