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Weitere Beobachtungen in Australien

Addendum zum vorherigen Artikel.

  • Um auf das Thema Kaffee zurueckzukommen: Kaffee-Pads bzw. Senseo ist hier praktisch gaenzlich unbekannt. Im Supermarkt gibt es keine Kaffee-Pads zu kaufen, oder ich habe sie nicht gefunden. Falls es also welche gibt, dann in keiner großen Auswahl. Was stattdessen bekannt ist, ist das Nespresso System, aber so ubiquitaer wie in Europa sind die “neuen” Kaffee-Zubereitungs-Methoden hier noch nicht. Wie im vorherigen Artikel geschreiben: Instantkaffee ist das Maß der Dinge.
  • Abends bekommt man in den meisten Restaurant auch keinen Kaffee mehr.
  • Im “Coles” Supermarkt wird jede Woche scheinbar die Gemuese- und Obstabteilung neu durchgemischt.
  • Das Layout von amerikanischen Tastaturen ist fuer die Bedienung der bekannten Anwendungen und für das Schreiben von Software deutlich besser. Warum muss das deutsche Layout wegen 4 zusätzlichen Zeichen so anders sein?
  • Jede (Wand-)Steckdose hat ihren eigenen Schalter. Sehr praktisch. Dafuer ist nervig, dass man die asymmetrischen Stecker nur in einer Richtung einstecken kann.
  • Die Stadt wird sehr sauber gehalten, genauso wie auch die Parks und der Strand. Die Müllabfuhr kommt jede Woche.
  • Wer bei Wahlen nicht wählen geht, zahlt 200$ Bußgeld.
  • Der Sperrmüll wird mit einem Bagger abgeholt.
  • Rechnungen (Gas/Strom/…) werden gerne in der Post-Filiale bezahlt.
  • An den Briefkästen stehen keine Namen, d.h. die Post stellt alles zu, was an die jeweilige Adresse gerichtet ist.
  • Lieferungen dauern ewig, ewig und ewig. Versandkosten sind nicht zu vernachlässigen.
  • Sämtliche Tarife/Kostenstrukturen (für Telefon/Internet/Nahverkehr etc.) sind scheinbar immer so kompliziert wie nur irgend möglich. Man muss hier wirklich aufpassen, ansonsten wird man über den Tisch gezogen. Die Australier beschweren sich da auch immer gerne über ihre Banken, die wohl für alle Selbstverständlichkeiten nochmal extra Gebühren verlangen.
  • Bedienung am Tisch ist in den meisten Lokalitäten eher ungewöhnlich. Bestellt wird am Tresen, die Getränke trägt man selbst zum Sitzplatz, die Speisen werden dann gebracht. Bezahlt wird immer sofort.

Wasser und Sonne und 2011

Vergangenen Dienstag stand ein Besuch im Aquarium of Western Australia an, sehr nett und mit einem wahnsinnig großen Unterwasser-Tunnel.

Perth Aquarium (28.12.2010)

Vergangenen Donnerstag habe ich mich gegen massiven Wind zum Strand gekämpft, um mal ein paar Aufnahmen des so berüchtigten Sonnenuntergangs anzufertigen:

Perth Cottesloe Sonnenuntergang (30.12.2010)

Heute ist Neujahr. Und Silvester hier in Perth ist etwas anders als man es so gewohnt ist. Erstmal verändert das Verbot des Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit den Gesamteindruck durchaus stark von dem, was man so aus deutschen Städten zur Jahreswende gewohnt ist. Auch die Feuerwerksballerei ist hier nicht sonderlich ausgeprägt, da ein einziger Böller oder eine Rakete ausreichen dürfte, um hier ein paar unschöne Buschbrände anzufachen. Und wenn man gegen 5 Uhr morgens von den Feierlichkeiten nach Hause zurückkehrt, begrüßt einen der neue Tag auch schon mit dem Sonnenaufgang…

Weihnachten im Sommer

Weihnachten in Australien ist eine komische Sache: Es ist 30 bis 50 Grad zu warm und viel zu hell. Glühwein gibt es verständlicherweise nirgendwo. Für einen Europäer ist es wohl schwierig, dabei in Weihnachtsstimmung zu kommen. Bei mir hat es jedenfalls nicht geklappt.

Auch wenn dann die Weihnacht kommt, sind viele Dinge grundlegend verschieden. Der 24. Dezember hat hier keine besondere Bedeutung: Es gibt keine Geschenke. Was man tut, sind Abendessen mit Freunden oder man geht fein aus. In meinem Fall war ich bei Wein und Tapas den Geburtstag eines Freundes meiner Mitbewohnerin feiern. Im Freien, bei 30°C und 60% rel. Feuchte, wie ein süddeutscher Sommertag. Relativ früh ging es dann wieder nach Hause.

Die wirklich interessanten Dinge passieren am 25. Dezember. Ungewohnterweise um 7 Uhr morgens aufgestanden ging es um 8 Uhr direkt zu den Eltern meiner Mitbewohnerin, die mich lobenswerterweise eingeladen haben, den Tag bei Ihnen zu verbringen.

Das Haus der Eltern steht in North Beach und, wie der Name vermuten lässt, keine 10 Minuten vom Strand entfernt. Besser kann es eigentlich kaum noch kommen, aber es geht doch… Das Haus ist klimatisiert. Bei angekündigten 38° nicht verkehrt.

Angekommen habe ich mein Mitbringsel in den Kühlschrank gestellt (Kartoffelsalat) und es ging direkt zum Strand mit der ganzen Familie, Hund inklusive. Da Hunde an normalen Stränden nicht erlaubt sind, gibt es spezielle Hundestrände. Sogar das ist ein Erlebnis, ich bin noch nie mit so vielen Vierbeinern zusammen im Wasser geschwommen. Der Familienhund Sophie, ein Jack-Russel mit langem, lockigen Fell, war aber damit zufrieden, Stöcke und Bälle in Ufernähe zu jagen. Der Vater meiner Mitbewohnerin hatte Schnorchelausrüstung dabei und lud mich ein, ihn bei einer kleinen Tour durch das Mini-Reef vor dem Strand zu begleiten. Man muss sagen, auch wenn es nur ein kleines, aber immerhin unter Schutz stehendes Reef ist, war es beeindruckend, was 20 Meter vom Strand entfernt schon im Wasser los ist. Ein sehr schönes und unerwartetes Weihnachtserlebnis.

Zurück im Haus wurde geduscht und dann bei Bier “Jenga” gespielt, was mit der Zeit immer unterhaltsamer wurde… Parallel dazu liefen die Vorbereitungen für den Christmas Lunch und die Bescherung.

Die sehnsüchtig erwartete Bescherung rund um den stattlich mit Geschenken umlegten Weihnachtsbaum war wegen der 10 Anwesenden ein längerer Act und hinterließ viel Geschenkpapier…

Der Christmas Lunch fand anschließend gegen 13 Uhr draußen unter der Pergola statt und bestand aus vielen leckeren Dingen, die man sich Buffet-mäßig auf den Teller lud. Ob weihnachtlich oder nicht, selbstgemachtes wie Fisch und Cuscus und deutscher Kartoffelsalat und Kaviar-Eier und vieles mehr machen jeden glücklich. Dazu Bier aus dem bereitstehenden Esky.

Nach dem Lunch gab es einen taktischen Rückzug ins klimatisierte Haus. Die nächsten Stunden wurden mit Geschenke inspizieren, Ausruhen und Brownies mit Vanilleeis verbracht. Und nicht nur der Jüngste der Familie, der interessanterweise auch die meisten Geschenke bekam, hatte Nickerchenbedarf, auch ein paar der älteren Anwesenden waren dankbar über die Siesta nach dem Lunch.

Gegen 16 Uhr war ein erneuter Strandbesuch angesagt, ist ja nicht weit weg. Es war mittlerweile so warm, dass man weder im Wasser noch triefend nass aus dem Wasser kommend gefroren hat oder auch nur sagen hätte können, dass man komplett nass ist. Erfrischend war es trotzdem.

Nach der nächsten Duschrunde wurden erste Ermüdungserscheinungen beim Familienhund sichtbar, der nicht mehr die Mitte des Geschehens suchte, sondern abseits umherlag und vor sich hin döste. Die noch verbleibenden Gäste ließen den Abend mit Wein und Kirschen ausklingen. Bemerkenswert war dabei der Wetterumschwung nach Sonnenuntergang: erst komplette Windstille, dann Ostwind. Ostwind bedeutet, Luft aus dem heißen Landesinneren kommt an die Küste und heizt diese trotz Sonnenmangel wieder auf. Während wir also auf der Terasse saßen, wurde es immer wärmer und immer windiger, in der Nacht waren es Böhen bis zu 70 km/h bestehend aus “heißer Luft”.

Das war also mein erstes Weihnachten im Sommer. Auch wenn es meinem Gefühl nach “nichts” mit Weihnachten zu tun hat, war es eigentlich richtig toll.

WA Symphony Orchestra: Symphony in the City

Gestern Abend gab’s als Free Event ein bisschen klassische Musik in der City auf der Grünfläche “The Esplanade” vor der “St Georges Terrace”, Perths Wolkenkratzerstraße. Highlight war Tchaikovskys “1812″ mit Begleitung durch Haubitzen und die Glocken der nahen “Swan Bells”.

Ein paar weitere Bilder gibt’s hier.

Bemerkenswert war außerdem auch die unglaublich effiziente Organisation des ganzen Events. Es gab eingeteilte Bereiche für “Blanket only”, “Low Chair”, “High Chair” und “Mixed Use” (:p), damit jeder etwas sehen konnte. Durch ein unglaubliches Aufgebot an Freiwilligen wurde auch kontrolliert, dass die Einteilung so eingehalten wurde. Eine Menge an breiten Wegen, die freigehalten wurden, war so auch problemlos machbar. Okay, man braucht die immense Menge Platz, wie sie da einfach verfügbar ist, aber diverse (ehemals) kostenlose Ereignisse in Deutschland könnten sich da ein Beispiel dran nehmen…

Kangaroo! Und andere.

Ein Tag im Zoo: irgendwie kindisch, aber nicht verkehrt.

Perth – Zoo (02.12.2010)

Wale schauen!

Wenn man schon mal hier ist, muss man sich auch eine 4-stündige Bootsfahrt gönnen, die einem viele Kilometer vor der Küste verspricht, Wale beobachten zu können. Und tatsächlich, da schwimmen wirklich einige Buckelwale in der Nähe der Insel Rottnest Island umher. Wir hatten glücklicherweise die zweite Bootstour am Tag gebucht, so wusste die Crew schon, wo sie suchen müssen…

Wale zu sehen ist sicher eine Sache, die man einmal erleben muss. Aber ein Mal reicht dann auch wohl für ein ganzes Leben. Delfine wären allerdings noch interessant, da sich diese je nach dem ja auch sogar für das Boot interessieren und nicht nur zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen.

Die ersten drei Bilder in der Galerie sind übrigens von einem Weihnachtsmarkt auf dem Uni-Gelände. Aber für einen Europäer kommt da nicht so wirklich Weihnachsfeeling auf bei 37°.

Perth – UWA Upmarket und Whale Watching (28.11.2010)

Und als Schmankerl: Schön volumenschonend herunterkodierte bewegte Wale:

Regen und Geräusche

Nach einem regnerischen Morgen wagte ich einen Spaziergang, durch Dalkeith und am Swan River entlang. Dabei habe ich ein paar Fotos gemacht:

Perth/Dalkeith nach Regen (21.11.2010)

Außerdem sind 2 kurze Videos entstanden, bei denen es weniger auf den visuellen als auf den hörbaren Anteil ankommt: zu hören ist die Geräuschkulisse in der Umgebung mehrerer Bäume. Leider waren gerade keine Krähen in der Nähe, die geben auch sehr unterhaltsame Laute von sich.

Perth kommt langsam in Weihnachtsstimmung

Die Weihnachtsdeko fühlt sich irgendwie unpassend zum Frühling an, aber da werde ich mich dran gewöhnen müssen. Außerdem erwähnenswert ist die in den Bildern zu findende Aktionskunstveranstaltung “UN dachshund meeting”.

Perth City (13.11.10)

Hier noch der Link zum PICA (Perth Institute of Contemporary Arts) Dachshund U.N..

Beobachtungen in Australien

  • Für Europäer erscheint Western Australia zurzeit sehr teuer. Jedoch ist das alles relativ in einem Land, das einen Mindestlohn von 17$/h eingeführt hat.
  • Die Supermärkte spinnen, was Rabatt- und Sonderpreisaktionen angeht, noch deutlich mehr, als man z.B. von französischen gewohnt ist. Man hat das Gefühl, permanent abgezockt zu werden. Und nach diversen Einkäufen im gleichen Supermarkt kann ich behaupten, dass das Gefühl durchaus seine Berechtigung hat. Wachsam einkaufen ist das oberste Gebot.
  • Fußwege oder Radwege gibt es in den Wohngebieten quasi nicht. Wofür auch, wenn doch der Aussie jeden Meter mit dem Auto fährt. Ich habe hier schon ein paar Häuser gesehen, deren Hauseingang nur über einen Rasenweg an die Straße angebunden ist. Wird ja eh nicht verwendet, da man sowieso nur über die Hofeinfahrt mit dem Auto ans Haus fährt.
  • Die Menschendichte außer Haus ist extrem niedrig. Was durchaus auch angenehm sein kann. Wenn man Menschen sucht, muss am z.B. am Wochenende in die Reservations oder Parks gehen, dort sind da alle Aussies am Picnicen.
  • Was auch gleich den Grund liefert, warum alle Aussies auch in den Städten riesige Autos haben: Zum Picnic wird gefühlt die halbe Küche und das halbe Esszimmer mitgenommen. Tische und Stühle neben den unzähligen Kühlboxen in die Parks zu schleppen scheint selbstverständlich.
  • Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der meisten Leute hier ist für einen Deutschen zumindest als “sehr ungewohnt” einzustufen. Man gewöhnt sich jedoch an die Atmosphäre recht schnell und ist auch nicht mehr verwundert, wenn man an der Supermarktkasse nach seinem Wochenende gefragt wird.
  • Gemüße, Milchprodukte und Importwaren sind unglaublich teuer.
  • In der Mittagspause Essen gehen verbietet sich, da man auch für kleine Sachen ziemlich viel Geld loswerden kann. Einzige Ausnahme sind Hungry Jack’s, McDonalds und Konsorten, die überraschenderweise günstiger sind als in Deutschland. Daher ist es üblich, dass sich jeder fürs Mittagessen Reste vom Vortag mitbringt und in der Mikrowelle aufwärmt.
  • Kaffeegenuss scheint bei Aussies (noch) kein Begriff zu sein. Im Supermarktregal gibt’s zu 80% Instantkaffee.
  • Durch die krude Zeitzone und Lage von Perth muss man sich nicht nur an die Zeitzone ansich, sondern auch an die der Sonnenauf- und untergangszeiten angepasste Lebensweise gewöhnen. In den Büros würd üblicherweise spätestens gegen 7:00 angefangen. Was auch verständlich ist, im Sommer geht die Sonne hier kurz nach 4:00 auf. Dafür ist dann auch um 20:00 schon fast wieder dunkel.
  • Sogar die Busfahrer sind ausgesprochen freundlich und locker.
  • Die Verkehrsregeln sind für einen Europäer ungewohnt simplifiziert. Die Aussies kommen wirklich mit ungefähr 10% der Schilder aus, die man so aus Deutschland gewohnt ist. Wenn man Vorfahrt hat, stehen keine Schilder.
  • Es gibt überall Unmengen von Geldautomaten.
  • Auf Lebensmittel gibt es keine Mehrwertsteuer (GST).
  • An Automarken sind hier eigentlich nur Holden, Ford und die bekannten asiatischen vertreten. Deutsche Autos sieht man eher selten. Französische garnicht.
  • Die größte Münze ist die 50 ct Münze.
  • Die 1 ct und 2 ct Münzen wurden aus dem Verkehr gezogen. Wenn man bar bezahlt, wird auf 5 ct gerundet.
  • Internet ist im Vergleich zum gewohnten ziemlich teuer. Alle Sites, die nicht auf australischen Servern liegen, sind unglaublich langsam. Auch in der Uni gibts selten mehr als 200 kB/s.
  • Die Werbeblöcke im TV schaffen es, fast noch nerviger zu sein, als das, was ich so aus dem deutschen TV kenne.
  • Die Raben-ähnlichen Vögel klingen wie Katzen und scheinen eine Art lustige Sprache zu sprechen.
  • Die Elster-ähnlich Vögel sind dafür bekannt, auch gerne mal Glitzerndes direkt vom Menschen zu erkämpfen.
  • Die Ladenöffnungszeiten sind gewöhnungsbedürftig.

Kings Park

Eine etwas kleinere Tour als gestern ging heute durch den Kings Park, der praktischerweise direkt neben dem Suburb liegt, in dem ich wohne. Die Ausmaße dieses, im Zentrum hauptsächlich auf Australischen Busch getrimmten, Parks sind, wie üblich, immens. Was ich heute gesehen habe, kratzt noch nicht mal richtig an der Oberfläche. An den Rändern des Parks hat man, da er etwas höher gelegen ist, eine ziemlich nette Aussicht.

Perth: Kings Park (07.11.2010)

Außerdem hier ein weiterer fotografischer Beweis, dass ich auch wirklich da bin, wo ich vorgebe, zu sein: